Vom Respekt und Umgang mit Schiedsrichtern am anderen Ende der Welt

Jetzt muss ich mich doch mal noch aus meinem Urlaub zu Wort melden, da man hier in Australien und Neuseeland quasi nicht am Rugby vorbeikommt. Was bei uns in Deutschland der Fußball, ist hier das Rugby. Zudem fand gerade auch noch die Rugby-WM statt, was wahrscheinlich noch ein wenig mehr dazu beigetragen hat, dass fast immer und überall auf irgendeinem Fernseher Rubgy lief. Man konnte sich dem also quasi gar nicht entziehen und als Fußball-Begeisteter – egal in welche Rolle und Funktion – schaut man ja sowieso generell hin wenn dich irgendwo ein grünes Spielfeld sieht 😉

Auch wenn ich die Regeln immer noch nicht kenne – obgleich einige nach etwas zuschauen natürlich unweigerlich offensichtlich werden – ist etwas sehr auffällig und ganz anders als beim Fußball: der Respekt untereinander und vor allem der Respekt und das Verhalten gegenüber dem Schiedsrichter. Warum können wir nicht auch im Fußball so einen Umgangston pflegen?

In einem Sport, der von Halten, Stoßen, Blockieren, Ziehen und Stoppen des Gegners lebt kann ich mir kaum vorstellen, dass jede Entscheidung eindeutig und indiskutabel ist. Zudem gab es Spielunterbrechungen, bei denen eigentlich auf den ersten Blick nichts Auffälliges war. Aber egal zu welcher Spielzeit und was passierte: Sobald der Schiedsrichter das Spiel unterbrach wich augenblicklich die Anspannung, die Spieler gingen friedlich auseinander und positionierten sich für die anstehende Spielfortsetzung neu. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich es einmal gesehen hätte, dass der Schiedsrichter für seine Entscheidung kritisiert und „angemacht“ wurde. Lediglich ab und an gab es mal einen etwas ungläubigen oder überraschten Blick ob der Entscheidung aber das war es dann auch. Die Entscheidung des Schiedsrichters wurde akzeptiert und anstatt diese zu kritisieren konzentrierten sich die Teams auf den weiteren Verlauf des Spiels und darauf, wie man das Beste aus der aktuellen Situation für seine Mannschaft herausholen kann.

Ob die Souveränität und die Sicherheit, die die Schiedsrichter dabei ausstrahlten, der Grund für oder eine angenehme Folge des respektvollen Umgangs ist, weiß ich nicht. Vielleicht auch eine Mischung aus beidem. Aber zu jedem Zeitpunkt waren die Schiedsrichter freundlich, ruhig und wechselten auch mal in angenehmer, entspannter und unaufgeregter Art und Weise ein Wörtchen mit den Spieler.

Insgesamt waren die Spiele also sehr schön anzuschauen, weswegen auch bei den Zuschauern vor den Fernsehern und Leinwänden keine aufgeheizte Stimmung aufkam. Es wurde mitgefiebert, mitgelitten wenn ein Ball mal nicht ankam aber auch akzeptiert wenn das eigene Team dummerweise den Ball verlor oder eine Entscheidung gegen das eigene Team ausfiel.

Rugby ist da im Übrigen nur eine Sportart unter vielen, bei denen mir der Respekt gegenüber dem Schiedsrichter viel größer erscheint als es beim Fußball (leider) der Fall ist. Entscheidungen werden woanders akzeptiert und nicht wie im Fußball schon fast automatisch diskutiert, angezweifelt und/oder als eindeutige Fehlentscheidung dargestellt. Auch bei anderen Mannschaftssportarten (lassen wir mal die Einzelkämpfer außen vor) wie dem Eishockey oder American Football – mir fällt gerade die katastrophale und vermutlich spielentscheidende Fehlentscheidung im 2. Halbfinal-Spiel zum Superbowl 2019 ein – genießt der Schiedsrichter mit seinen Entscheidungen eine ganz andere und größere Akzeptanz und einen ganz anderen Status. Im Basketball und beim Handball gab es dann schon ab und an mal etwas Diskussion aber auch das ist kein Vergleich zum Fußball.

Es stellen sich nun also die Fragen: Warum ist das so? Oder handelt es sich nur um eine subjektive Fehlwahrnehmung?! Ist es vielleicht auch in anderen Sportarten im Amateurbereich anders und ähnlich „schlimm“ wie im Fußball und meine Einschätzung nicht wirklich objektiv? Vielleicht hat hier ja jemand Erfahrungen, die er/sie mit uns teilen möchte, nutzt dafür gerne die Kommentare.

Bleibt abschließend noch zu klären warum das so ist und was es braucht, um den Fußball hinsichtlich des gegenseitigen Respekts und vor allem auch hinsichtlich des Respekts dem Schiedsrichter – immerhin integraler Bestandteil unseres Lieblingssports – anderen oben genannten Mannschaftssportarten ähnlicher zu machen. Ein Patentrezept wird es nicht geben, ebenso wenig die eine Stellschraube.

Ich würde mich aber freuen wenn Jeder, der diesen Artikel gelesen hat, einen ersten kleinen Teil dazu leistet, sich bei zukünftigen Spielen an den Artikel zurückerinnert und – egal in welcher Funktion – mit gutem Beispiel vorangeht und mit mehr Respekt den anderen Akteuren auf und neben dem Platz entgegentritt. Wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es auch wieder hinaus. Schreien wir also beim nächsten Mal weniger oder idealerweise gar nicht.

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