Das Prinzip „Aus einem Vorteil kann nicht direkt ein Nachteil werden“

Es war DIE Situation des zurückliegende 6. Spieltags der laufenden Bundesliga-Saison 2018/19: der zwischenzeitliche Ausgleich zum 1:1 im Spiel Stuttgart – Bremen. Was war passiert? Der Stuttgarter Spieler will einen Einwurf vollkommen unbedrängt zu seinem Torwart werfen, dieser ist aber einen Moment lang unaufmerksam und sieht erst viel zu spät, dass der Ball in Richtung Tor kommt. In einer Reflexsituation tritt er nach dem Ball, um das vermeintliche kommende Unglück doch noch zu verhindern. Da er den Ball (denkbar leicht) berührt macht er die Situation aber nur noch schlimmer und das Tor zählt. Denn unberührt hätte es nur Eckball gegeben denn das dahinter stehende Prinzip ist: Aus einem Vorteil kann nicht direkt ein Nachteil werden.

Vorteil im Sinne dieses einfachen Satzes ist ein Ballbesitz nach einer Spielunterbrechung, also ein Freistoß (egal ob direkt oder indirekt), ein Abstoß, ein Anstoß oder wie in Stuttgart ein Einwurf. Rein theoretisch gehören auch ein Eckball und ein Elfmeter dazu – daraus den Ball ins eigene Tor zu schießen grenzt aber an Unmöglichkeit. Damit nach den genannten Situationen (der „Vorteil“) ein Tor für den Gegner fallen kann muss noch mindestens ein anderer Mit- oder Gegenspieler den Ball berührt haben, im vorliegenden Fall war es der Stuttgarter Schlussmann. Geht der Ball ohne eine solche Berührung ins eigene Tor (entspricht dem größtmöglichen „Nachteil“) so gibt es lediglich den Eckball da der Ball ja das Feld über die Torauslinie verlassen hat.

Die nötige Berührung durch einen anderen Akteur (der Schiedsrichter zählt in diesem Fall nicht) impliziert auch, dass ein Eigentor auch dann nicht zählt wenn sich ein Spieler beim einem Freistoß den Ball schnappt und mit mehreren Ballkontakten ins eigene Tor läuft. Auch dann gäbe es nur dem Eckball da die Berührung durch einen anderen Spieler fehlt.

Ein Sonderfall liegt vor wenn die Spielfortsetzung im Strafraum erfolgt. In diesem Fall gibt es bei einem direkt ins eigene Tor geschossener Freistoß oder Abstoß eine Wiederholung wenn der Ball den Strafraum nicht verlassen hatte und damit noch nicht im Spiel war. Mehr Ausnahmen fallen mir aktuell aber nicht ein. Denn anders sieht es schon dann aus wenn der Ball den Strafraum bereits verlassen hat und anschließend durch ein Windböe ins Tor geweht wird, einen bekannter Fall gab es einmal in Pforzheim. Dann ist der Ball nämlich im Spiel und es greif das mittlerweile vielzitierte Prinzip und es gibt Eckball.

Aus einem Vorteil kann nicht direkt ein Nachteil werden – eigentlich ganz einfach aber wenn es genau deswegen mal Eckball gibt wird die Versicherung sicherlich groß sein. Wer aber mit dem Lesen bis hierher gekommen ist aber künftig nicht mehr ins Grübeln kommen, sondern weiß Bescheid.

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