Pflichten des Schiedsrichters zum Schutz der Spieler

Als ich am vergangenem Wochenende auf dem Weg zum meinem Spiel war hörte ich im regionalen Radiosender, dass im Kreis Worms ein Torwart im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist, nachdem er während eines Fußballspiels von einem Blitz getroffen wurde. Solche traurigen Nachrichten wünscht sich natürlich niemand aber sie verdeutlichen, dass quasi immer und überall und somit auch im Fußball ein Risiko besteht. Und wir dürfen nicht vergessen, dass es die Pflicht eines jeden Schiedsrichters ist die Sicherheit der Spieler zu gewährleisten und Risiken möglichst weit zu reduzieren. Ein Gewitter ist nur ein Beispiel für ein solches Risiko, dieser Beitrag soll noch etwas ausführlicher über Risiken von außen und die dann gebotene Reaktion seitens des Schiedsrichters informieren.

Die Sicherheit der Spieler während eines laufenden Fußballspiels kann durch unterschiedliche äußere Einflüsse gefährdet werden:

  • Wetter, z.B. Gewitter, Starkregen, Hagel, Sturm
  • Platz- und Lichtverhältnisse
  • Verhalten Dritter und Einflüsse von draußen

Wetterverhältnisse

Was das Wetter angeht ist die Ansage eigentlich ganz klar: Sobald es gewittert heißt es den Platz zu verlassen und einen sicheren Ort zu suchen. Der DFB hat zusammen mit dem Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) das Merkblatt Fußball bei Gewitter? Richtiges Verhalten im Freien herausgebracht, mehr Informationen dazu hier. Laut diesem Merkblatt ist das Spiel dann sofort zu unterbrechen wenn zwischen Blitzschlag und Donner weniger als 10 Sekunden liegen.

Ein sicherer Ort ist weder unter einem Baum noch die überdachte Auswechselbank (auch hier gab es mal eine Blitzeinschlag mit mehreren Verletzungen). Letzten Endes bleibt eigentlich nur das Clubhaus oder ein anderes gefestigtes und geschlossenes Gebäude oder zur größten Not das Auto, das aufgrund seines faradayschen Käfig vor einem Blitzeinschlag schützt. Gleiches gilt auch bei Starkregen, Hagel und Sturm und zwar – ganz wichtig – unabhängig von der Spielminute.

Ich hatte einmal eine Unterbrechung am letzten Spieltag der Saison in der 85. Spielminute in einem Spiel, bei dem es um nichts mehr ging. Aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen Blitz und Donner war offensichtlich, dass das Gewitter sich sehr nah aufgetan hatte und daher unterbrach ich das Spiel. Die Freude unter den Vereinsoffiziellen war natürlich riesig weil sich dadurch der Beginn der Saisonabschlussfeier verzögerte. Wir warteten fast 30 Minuten – das ist ja bekanntlich die Obergrenze bei jeder Unterbrechung – bevor dann bei strömendem Regen noch die letzten 5 Minuten gespielt wurden. Zugegebenermaßen keine ganz einfache Situation aber auch hier heißt es konsequent und sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein. Hätte ich das Spiel nicht unterbrochen oder zu früh wieder fortgesetzt und es hätte einen Blitzeinschlag gegeben, dann wären nämlich auch genau die seVereinsoffiziellen, die sich über die aus ihrer Sicht unnötige Unterbrechung beschwert hatten, die erste Gewesen, die mich als Schiedsrichter dafür verantwortlich gemacht hätten.

Nichts desto trotz kann ein Gewitter auch aus dem Nichts auftreten und es gibt auch Berichte mit Schadensfällen durch Blitze aus wortwörtlich heiterem Himmel, die nicht zu erwarten sind. Die Empfehlung daher: geht kein Risiko ein und unterbrecht sofort wenn sich ein Gewitter bemerkbar macht. Nicht so ganz einfach ist es bei Starkregen oder Sturm. Bis zu einem gewissen Grad ist Regen zu ertragen und auch Wind ungefährlich und zu akzeptieren. Wenn der Regen allerdings so stark ist, dass er innerhalb kürzester Zeit die Platzverhältnisse z.B. durch Pfützen irregulär macht, oder der Wind jeden Ball davonweht ist Zeit für eine Unterbrechung.

Platz- und Lichtverhältnisse

Schlechte Platz- und Lichtverhältnisse können generell ein Sicherheits- und Verletzungsrisiko darstellen. Das ist z.B. bei gefrorenem Boden der Fall oder wenn der Platz so tief ist, dass kein sicherer Stand mehr möglich ist. Auch ausgefallenes Flutlicht ist ein Grund ein Spiel zu unterbrechen oder zur Not abzubrechen wenn eine klare Sicht von Tor zu Tor nicht mehr möglich ist. Schlechte Platzverhältnisse können von Anfang an vorhanden sein oder sich auch im laufenden Spiel ergeben. Auch hier ist es oftmals keine Schwarz-Weiß-Entscheidung aber im Zweifel würde ich immer zu einem Ab- oder Unterbruch raten auch wenn Kritik von außen i.d.R. vorprogrammiert ist.

Rein theoretisch ist vor jedem Abbruch eine mindestens 30-minütige Unterbrechung einzuhalten, praktisch macht das allerdings nur in manchen Fällen auch tatsächlich Sinn. Ein zufrierender Boden (auch wenn nur in bestimmten Teilen des Platzes) wird im Winter frühestens am nächsten Tag wenn die Temperaturen wieder steigen wieder auftauen. Nebel kann ein vorrübergehendes aber auch ein dauerhaftes Problem sein. Ein ausgefallenes Flutlicht lässt sich degegen evtl. innerhalb von 30 Minuten reparieren.

Je nach Verein und Spielort bietet sich vielleicht auch ein Neben- oder Trainingsplatz an, auf dem die Verhältnisse regulär sind und auf dem das Spiel fortgeführt werden kann. Auch die Möglichkeit sollte der Schiedsrichter in Betracht ziehen und ggf. den Heimverein auf diese Möglichkeit hinweisen.

Verhalten Dritter und Einflüsse von draußen

Kritik und Emotionen von außen gehören bis zu einem gewissen Maße zum Fußball dazu. Grob unsportliches Verhalten müssen wir als Schiedsrichter leider auch immer wieder ertragen und „auf Durchzug“ schalten wenn uns die Sanktionsmöglichkeiten, wie wir sie gegenüber Spielern und Vereinoffiziellen haben, fehlen. Sobald das Verhalten von außen aber so ist, dass sich Spieler oder auch der Schiedsrichter nicht mehr richtig verhalten können sind wir aber in einem Bereich, in dem ein Spiel mindestens zu unterbrechen ist.

Solche Situationen sind z.B. Pyrotechnik, die den Platz vernebelt oder Böller, die auf den Platz geworfen werden. Werden Zuschauer handgreiflich gegen Spieler oder Offizielle ist auch der Punkt erreicht, an dem man ein Spiel lieber unterbricht und abwartet bis die Situation sich beruhigt hat. Anders als vielleicht in der Bundesliga würde ich im Amateurbereich immer auch zu einer kurzen Unterbrechung raten wenn Tumulte abseits des Platzes unabhängig von den beteiligten Personengruppen zu heftig werden, da sich ein solcher Tumult auch schnell auf die Bänke oder das Spielfeld ausweiten kann.

Ein Negativ-Beispiel, das mir immer noch gut in Erinnerung ist, war das Relegations-Rückspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC im Mai 2012. Neben zahlreicher Pyrotechnik standen schließlich bei noch laufendem Spiel die Zuschauer neben dem Spielfeld. Reguläre Bedingungen sehen für mich anders aus, aber letzten Endes blieb der erfolgte Protest seitens Hertha BSC erfolglos und die Entscheidung vom damaligen Schiedsrichter Wolfgang Stark, das Spiel wieder anzupfeifen und ordnungsgemäß zu beenden hatte Bestand. Auch noch sehr gut in Erinnerung ist sicherlich auch das Verhalten der HSV-„Fans“ am letzten Spieltag der Saison 2017/18 als der Abstieg des letzten Gründungsmitglieds der Bundesliga fest stand. Auch hier war viel Pyrotechnik im Spiel und viele Fans auf dem Platz. Felix Brych schaffte es damals mit seiner Konsequenz diese Situation auszuhalten und zusammen mit der Polizei nahezu reguläre Bedingungen zu schaffen, sodass ein Spielabbruch vermieden werden konnte und nicht am grünen Tisch über den Abstieg des HSV entschieden werden musste.

Solche Situationen sind im Profifußball natürlich immer auch unter ganz anderen Gesichtspunkten zu bewerten und kommen in diesem Ausmaß im Amateurbereich nicht oder nur sehr sehr selten vor. Allerdings ist dann kein falscher Ehrgeit geboten, sondern die Sicherheit von Spielern, Offiziellen und Schiedsrichtern oberstes Gebot.

Auch Pflicht: Meldung über besondere Vorkommnisse

Jetzt habe ich viel über Situationen geschrieben, die auftreten können und zu Spielunterbrechungen oder -abbrüchen führen können sowie auf die Verantwortung eines Schiedsrichters hingewiesen. Seid in solchen Angelegenheiten konsequent und sichert euch durch vorausschauendes und pflichtbewusstes Verhalten ab! Jedes Spiel kann notfalls wiederholt werden, eine Verletzung oder noch Schlimmeres lässt sich aber nicht rückgängig machen und hat schlimmstenfalls dauerhafte Folgen.

Egal aus welchem Grund ein Spiel unterbrochen oder abgebrochen wird, vermerkt dies gewissenhaft und ausführlich in eine Meldung. „In der 65. Spielminute habe ich das Spiel wegen eines Gewitters abgebrochen.“ ist ein guter Beginn aber nur ein Teil der Meldung. Wichtig ist zu erwähnen wie das Spiel stand, dass die Zeitspanne zwischen Blitz und Donner kurz war und auch, dass die 30 Minuten Wartezeit eingehalten wurden. Nur so können sich z.B. der Staffelleiter und die Verantwortlichen im Bezirk/Verband etc. ein gutes und richtiges Bild von der Situation machen.

Und damit wünsche ich euch allen gute und erfolgreiche Spielleitungen in der Hoffnung, dass ihr Obiges zwar im Hinterkopf behaltet aber nie wirklich ausreizen müsst.

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