Vom Kritiker zum Fan – Persönliche Eindrücke von Dr. Jochen Drees zum Video-Assistenten

Dr. Jochen Drees schwieg sich nämlich auch zu den Problemen rund um den Videoassistenten nicht aus und gab insbesondere hier ganz persönliche Eindrücke.

Was denn nun ein „klarer Fehler“ ist und den Eingriff des Video-Assistenten rechtfertig ist halt nicht immer klar und liegt oftmals im Auge des Betrachters/Videoassistenten. Es ist nur allzu verständlich, dass Letzterer seine ganz persönliche Bewertung vornimmt, die im Wesentlichen von der eigenen Erfahrung und seiner Art zu Pfeifen geprägt ist. Jeder pfeift nunmal etwas anders – der Eine lässt ein Spiel lieber laufen während ein Anderer sich mit der kurzen Leine wohler fühlt. Je nachdem welcher Schiedsrichter und welcher Video-Assistent zusammenarbeiten kann das die Arbeit zwischen Schiedsrichter und dem Video-Assistenten erleichtern oder erschweren. Ein guter Schiedsrichter ist nicht zwangsläufig ein guter Video-Assistent – und umgekehrt. Evtl. sehen wir hier in der Zukunft ja auch feste „Teams“, d.h. der Schiedsrichter hat neben seinen etatmäßigen Assistenten auf dem Spielfeld auch einen etatmäßigen Assistenten vor den Monitoren in Köln.

Auch wenn sich die Nettospielzeit in dieser Runden entgegen aller Unkenrufen nicht verringerte so ist die zeitliche Komponente doch nicht ganz unproblematisch. Zum Einen betrifft das die Zeitspanne zwischen beispielsweise einem nicht geahndeten Vergehen und der Korrektur durch den Video-Assistenten. In dieser Zeit kann schon wieder so Einiges auf dem Feld passiert sein, wie beispielsweise bei einer Situation in Holland, in der es anstatt eines vermeintlichen Tores (wäre aber Abseits gewesen) der einen Mannschaft auf einmal einen Strafstoß für den Gegner auf der anderen Seite gab. Auch in der Bundesliga hatten wir im Spiel SC Freiburg – Borussia Mönchengladbach am 12.12.2017 unter Leitung Deniz Aytekin schon etwas Vergleichbares. Zum Anderen geht es aber bei der Korrektur eines Tores auch darum, wie weit zurück etwaige Foulspiele noch rückwirkend geahndet werden können. Ebenso wie auch schon der „klare Fehler“ ist auch der „Beginn einer Angriffssituation“ nicht unauslegbar.

Gerade bei uneindeutigen Situationen und Entscheidung ist auch die mangelnde Information der Zuschauer auch Dr. Jochen Drees „ein Dorn im Auge“. Andere Sportarten machen es uns vor, theoretisch wäre eine bildliche oder sprachliche Information sicherlich auch bei uns machbar. Aber dafür würde es weitere Investitionen in die Technik bedürfen und zudem sind die Stadien sehr unterschiedlich ausgestattet. Und auch die Frage ist erlaubt ob das den Fußball nicht noch mehr kaputt machen würde?! Hier darf man durchaus geteilter Meinung sein… Auch ich weiß noch nicht ganz ob und was ich gutfinden solll zumal mir mein Gruppenobmann mal sagte: „Ein guter und sicherer Schiedsrichter braucht seine Entscheidung nicht erklären“.

Neben einer einheitlichen Bewertung einer Situation ist wohl auch die Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter und dem Videoassistenten nicht immer einfach – und das hat ausnahmsweise keine technischen Gründe. Der Video-Assistent muss sich immer auch die Frage stellen wann genau er den Kontakt zum Schiedsrichter sucht. Wenn dieser gerade im Vollsprint ist und weiter höchste Konzentration auf das Spiel legen muss oder gerade in Diskussion mit Spielern ist, hört er vielleicht nicht jedes Wort seines Video-Assistenten. Das kann zu Missverständnissen führen. Interessant in diesem Zusammenhang war die Info, dass wohl für den Sommer ein Lehrgang mit Pilotenausbildern geplant ist. Was im ersten Moment komisch anmutet könnte durchaus Sinn machen denn in der Luftfahrt ist die Kommunikation strikt geregelt: Schlüsselworte und Zeitpunkte der Kontaktaufnahme helfen Fehler und Unklarheiten in der Kommunikation zu vermeiden.

Weitere Probleme waren vor allem zu Beginn die Qualität der Bilder, die wohl deutlich schlechter waren als das, was Sky seinen Kunden liefert. Die Frage nach dem Warum darf da natürlich gestellt sein – manchmal ist Deutschland eben doch ein digitales Entwicklungsland. Ebenso unverständlich ist, dass den Video-Assistenten bis heute keine kalibrierte Abseitslinie zur Verfügung steht. Auch das funktioniert bei Sky, die DFL wartet aber offensichtlich noch auf eine Zertifizierung durch die FIFA für eben jene kalibrierte Abseitslinie und mit diesem ist bis Saisonende eher nicht mehr zu rechnen.

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