(Un-)Bespielbarkeit des Platzes

Die Wochen vor Beginn der Winterpause und die letzten Wochen vor Beginn der Rückrunde sind alle Jahre wieder die Wochen mit einer erhöhten Anzahl Spielausfällen. Meistens ist dann nämlich die sog. „Unbespielbarkeit des Platzes“  der Grund dafür. Die Unbespielbarkeit kann durch einen Platzbeauftragten festgestellt werden, der dann offiziell das Spiel im Namen des Verbandes absagt oder z.B. durch die Gemeinde als Besitzer des Platzes, die den Platz sperrt. Und natürlich jederzeit und in letzter Instanz durch den Schiedsrichter.

Die Platzkontrolle gehört vor jedem Spiel zu den Pflichten des Schiedsrichters. Meistens ist das reine Formsache, manchmal muss der Heimverein ein paar Dinge nachbessern (z.B. Loch im Tornetz, Eckballfahnen fehlen oder die Linien müssen nachgezeichnet werden). Manchmal ist Nachbessern allerdings nicht mehr möglich und es gibt wichtige Anhaltspunkte dafür, dass der Platz für das angesetzte Spiel unbespielbar ist.

Bei der Frage nach der Bespielbarkeit des Platzes gibt es im Wesentliche 2 Kriterien, die der Schiedsrichter zu bewerten hat:

1. Herrschen reguläre Spielbedingungen?

Irreguläre Bedingungen herrschen beispielsweise dann wenn der Platz ganz oder teilweise unter Wasser steht und der Ball deshalb nicht rollen kann. Auch bei schlechter Sicht z.B. wegen Nebel, heftigem Schneetreiben oder Dunkelheit würden keine regulären Bedingungen vorliegen denn die Sicht von Tor zu Tor muss jederzeit gewährleistet sein. Außerdem müssen auch die Linien auf dem Spielfeld jederzeit deutlich erkennbar sein. Bei schneebedecktem Platz ist zwar generell denkbar insbesondere diese freizuschaufeln, allerdings ist dies nur dann nachhaltig falls es nicht zeitgleich derart stark schneit, sodass sie innerhalb von Minuten wieder zugeschneit würden. Auch bei heftigem Regen in Kombination mit einem durchnässten Platz kann dies trotz aller Bemühungen seitens des Vereins schwierig werden.

2. Ist die Gesundheit der Spieler gewährleistet?

Bei einem tiefgefrorenen Platz sind zwar weder die Sicht noch das Rollen des Balles eingeschränkt, aber ein gefrorener Rasen- oder Hartplatz stellt eine erhöhte Verletzungsgefahr dar und wäre ebenso ein Grund für eine Spielabsage. Kunstrasenplätze haben hier einen klaren Vorteil. Findet das Spiel dennoch statt könnte der Schiedsrichter schlimmstenfalls für eine Verletzung eines Spielers mitverantwortlich gemacht werden. Gleiches gilt bei einem Gewitter oder Unwetter. Etwas theoretischer ist etwa die Vorstellung, dass eine Gefährdung durch Fremdkörper auf oder in unmittelbarer Nähe des Platzes vorliegt. Das könnten z.B. Glasscherben auf dem Platz sein, spitze Gegenstände am Tor oder den Banden oder auch in das Feld hereinragende Baumzweige wenn starken Wind vorherrscht.

 

Wird die Nichtbespielbarkeit des Platzes vor Spielbeginn festgestellt, so gilt es vor der endgültigen Spielabsage abzuwägen ob sich die spielverhindernden Rahmenbedingungen innerhalb der nächsten ca. 30 Minuten verbessern können oder nicht. Ein schneebedeckter Platz könnte geräumt werden, bei einer guten Drainage könnte der Platz nach Ende eines heftigen Regenschauers recht schnell einigermaßen abtrocknen wenn es zu regnen aufhört, ein Gewitter zieht oftmals genauso schnell wieder ab wie es gekommen ist. Diese Frist von 30 Minuten gilt es im Zweifel abzuwarten und sie gilt auch wenn das Spiel unterbrochen wird. Auch für Spielunterbrechungen gelten im Wesentlichen die oben genannten Kriterien, das Spiel kann aber innerhalb dieser Zeitspanne wieder aufgenommen werden wenn sie die Bedingungen bessern.

Wichtig: Ein abgesagtes oder abgebrochenes Spiel darf NICHT von einem anderen Schiedsrichter später angepfiffen respektive fortgesetzt werden!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Vereine oftmals mit Unverständnis auf Spielabsagen oder -unterbrechungen reagieren. Dafür mag es zwar nachvollziehbare Gründe geben aber der Schiedsrichter darf sich davon nicht beeindrucken lassen. Die Gesundheit der Spieler hat in einem solchen Fall oberste Priorität und aus eigenem Interesse sollte man hier kein Risiko eingehen.

Nicht zu vergessen bleibt, dass es bei Spielabsagen und -unterbrechungen auch noch Pflichten für den Schiedsrichter gibt. Zu dieser Pflicht gehört die Meldung inkl. Begründung der Spielabsage bzw. des Spielabbruchs. Ein Fotos des unbespielbaren Platzes ist mit dem Smartphone auch schnell gemacht falls es mal Nachfragen gibt.

Aber hoffen wir mal, dass es wettertechnisch diesen Winter nicht allzu heftig kommt und die meisten Spiele wie geplant durchziehen können. Denn wenn man als Schiedsrichter schon mehr oder weniger weit gefahren ist dann möchte man das Spiel auch durchziehen…

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