3 Freunde müsst ihr sein

Das Zitat „11 Freunde müsst ihr sein“ kennt wahrscheinlich jeder, der sich etwas mit Fußball beschäftigt und auskennt. Auch wenn weiterhin darüber gestritten wird (http://www.trainer-baade.de/mit-legenden-aufraumen-elf-freunde-musst-ihr-sein/) von wem dieser Satz zumindest initial stammt – höchstwahrscheinlich nämlich nicht von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger – so ist die Intention hinter diese Aussage klar: Eine Mannschaft ist umso erfolgreicher je besser die Spieler miteinander auskommen oder idealerweise von Mannschaftskameraden zu Freunden werden. Fußball ist ein Mannschaftssport, egoistische Spieler schaden der Mannschaft eher als sie ihr helfen.

Auch für Schiedsrichter-Gespanne sollte abgeleitet vom ursprünglichen Zitat gelten: „3 Freunde müsst ihr sein“.

Ein Freund ist gem. Wikipedia „eine Person, zu der eine Freundschaft unterhalten wird“ und die Freundschaft wiederum ist (etwas geschwollen formuliert) „ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“ Diese beiden Attribute – Sympathie und Vertrauen – sind meiner Meinung nach die obligatorische Grundlage, um auch im Gespann erfolgreich agieren zu können. Im Gespann geht es nicht mehr nur um die Entscheidungen des Schiedsrichter, sondern um die Zusammenarbeit und die Entscheidungen des Schiedsrichter-Gespanns.

Gute und sehr gute Spiele sind nur als Teamleistung möglich. Wenn man sich schon bei der gemeinsamen Anfahrt zu einem Spiel nur gegenseitig anschweigt ist das selten eine gute Basis. Auch ich hatte als Schiedsrichter-Assistent schon solche Fälle, bei denen ich dann später während dem Spiel draußen an Linie bei nahezu jeder zweiten Entscheidung dachte: „Was pfeift der denn da?!“ Hinzu kamen Situationen, bei denen ich gnadenlos überstimmt wurde, Blickkontakt und Kommunikation waren so gut wie nicht vorhanden. Entsprechend schlecht lief das Spiel und entsprechend schlecht fiel dementsprechend auch die Beobachtung aus. Wir waren einfach nicht auf einer Wellenlänge, kannten uns nicht und haben es nicht geschafft eine gemeinsame Basis für eine erfolgreiche Spielleitung aufzubauen.

Idealerweise ist es natürlich insbesondere im „normalen“ Gespann anders. Idealerweise beschränkt sich die Zeit, die der Schiedsrichter und seine Assistenten gemeinsam verbringen nicht nur auf die 90 Minuten Spielzeit zzgl. An- und Abreise, sondern man unternimmt auch abseits der Spiele etwas gemeinsam. Das können gemeinsame Besuche anderer Spiele sein, ein Bundesliga-Spieltag mit Bier und Chips vor der Glotze, der gemeinsame Kinobesuch, das obligatorische McFlury auf längeren Rückfahrten, ein gemeinsames Frühstück vor einem Spiel oder Einladungen auf Geburtstage oder sonstige Feierlichkeiten.

Diese gemeinsamen Unternehmungen lassen einander besser kennenlernen und fördern das Vertrauen und die Ehrlichkeit untereinander. Freundschaft bedeutet nämlich vor allem auch, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Auch wenn Schiedsrichter und Schiedsrichter-Assistenten unterschiedliche Aufgaben haben so sind sie doch gleichberechtigt.

Die Ehrlichkeit ist ein weiteres wichtiges Merkmal einer Freundschaft, angebrachte und konstruktive Kritik muss ehrlich geäussert werden. Die Assistenten haben einen anderen Blick(winkel) auf einzelne Situationen und das Spiel. Dieser Blick von außen ist für einen Schiedsrichter wichtig, auch wenn oder gerade dann wenn ein Assistent eine andere Meinung hat oder eine Entscheidung des Schiedsrichters für falsch hält. Dies kann schon während des Spiels geschehen oder eben in der Halbzeit oder nach Spielende. Selbstkritik darf dann nicht fehlen, stattdessen gilt es die Situation gemeinsam und ehrlich aufzuarbeiten und Verbesserungspotential für die Zukunft zu erarbeiten. Gilt natürlich auch umgekehrt, auch Assistenten müssen sich mal etwas vom Schiedsrichter sagen lassen.

Wer diese Merkmale einer Freundschaft auch in seinem Gespann lebt, der hat eine weitere wichtige Grundlage für erfolgreiche Spielleitungen geschaffen…

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