Premiere für den Video-Assistenten – die wichtigsten Fakten

Kommen wir nun noch dazu in welchen Situationen der Video-Assistenten eingreifen darf und in welchen nicht.

1. Tore

Wird ein Tor erzielt, dann prüft der Video-Assistent grundsätzlich immer ob der Torerzielung ein strafbares Abseits, ein eindeutiges Foul oder Handspiel vorausging. Sollte dem so sein so würde er den Schiedsrichter informieren damit dieser ggf. seine Entscheidung revidieren kann, das Tor zurücknimmt und stattdessen evtl. auf indirekten oder direkten Freistoß entscheidet und ggf. auch noch eine Personalstrafe aussprechen kann (z.B. unsportliches Handspiel zur Torerzielung).

Nicht möglich ist dagegen auch weiterhin der umgekehrte Fall, z.B. wenn das Spiel wegen Abseits unterbrochen und der Ball unmittelbar danach ins Tor geschossen wurde. Durch den Abseitspfiff ist das Spiel unterbrochen und das Tor kann nicht mehr gelten (ältere Leser erinnern sich hier noch an den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Michael Malbranc, für den am 2. Spieltag der Saison 1997/98 eine solche Entscheidung sein Aus als Bundesliga-Schiedsrichter bedeutete).

Da kein Tor gefallen ist wir sich der Video-Assistent die Situation auch nicht anschauen – Fehlentscheidungen und -einschätzung vor einem „Nicht-Tor“ fallen also aus Gründen der praktischen Umsetzbarkeit nicht in den Aufgabenbereich des Video-Assistenten.

2. Rote Karten

Rote Karten haben i.d.R. einen massiven Einfluss auf das weitere Spiel und werden deshalb vom Video-Assistenten überprüft. Laut Vorgabe soll der Video-Assistent entscheiden ob die Rote Karte berechtigt ist oder nicht. Dabei dürfte es deutlich leichter sein, eine ursprünglich Gelbe Karte in eine Rote Karte zu revidieren. Die Situation anders herum könnte ich mir am ehesten bei einer Tätlichkeit feststellen wenn z.B. ein Spieler seinem Gegenspieler eine Kopfnuss gibt, beide zu Boden gehen und der Schiedsrichter anschließend dem falschen Spieler die Rote Karte gibt – dann sind wir aber eher schon bei Punkt 4 (Spielerverwechslung).

Viel öfter dürfte der Video-Assistent beim Thema Rote Karten eingreifen wenn es um Tätlichkeiten im Rücken des Schiedsrichters oder zu groben Unsportlichkeiten z.B. bei einer Rudelbildung kommt, die dem Schiedsrichtergespann auf dem Feld vorborgen blieb. Insbesondere solche Roten Karten würden dem Grundgedanken des Video-Assisteten – nämlich das Spiel fairer zu machen – dienen weil ein Spieler sofort und auch schon für das laufende Spiel ausgeschlossen und nicht erst „nur“ im Nachhinein gesperrt würde (was dem aktuellen Gegner rein gar nichts bringt).

Vielleicht sorgt die Kompetenz des Video-Schiedsrichters in diesem Bereich auch dafür, dass wir weniger Tätlichkeiten sehen. Denn mit dem Video-Assistenten wird es unwahrscheinlicher, dass eine versteckte Tätlichkeit ungeahndet bleibt. Vielmehr läuft der fehlbare Spieler Gefahr unmittelbar und noch für das laufende Spiel bestraft zu werden.

Wichtig: Der Video-Assistent greift ausschließlich bei Roten Karten ein, nicht bei Gelb-Roten Karten, die ebenfalls einen Platzverweis zur Folge hätten. D.h. ein nicht geahndetes taktisches Foul im Mittelfeld durch einen bereits verwarnten Spieler ist keine Situation, die sich der Video-Assistent anschauen würde.

3. Elfmeter

Bei Elfmetern kann sich der Video-Assistent sowohl die gegebenen Elfmeter noch einmal anschauen, um z.B. eine klare Schwalbe zu entlarven (denken wir hier mal an Andreas Möller oder Timo Werner), aber auch dem Schiedsrichter ein klares Foul mitteilen, das zu einem Elfmeter führen muss. Ist für das Foul keine Rote Karte (sieht Punkt 2) erforderlich, so liegt die Entscheidung über eine mögliche Personalstrafe weiterhin ausschließlich beim Schiedsrichter (der sich ggf. auch noch von seinen Assistenten auf dem Platz unterstützen lassen kann).

4. Spielerverwechslungen

Eigentlich kommt es recht selten vor aber dann ist es besonders ärgerlich und manchmal auch mit entscheidendem Einfluss auf das Spiel wenn ein bereits verwarnter Spieler fälschlicherweise mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen geschickt wird oder die Ampelkarte fälschlicherweise nicht bekommt. Auch hier soll der Video-Assistent eingreifen.

Wie es nicht laufen sollte hat uns das deutsche Confed-Cup-Spiel gegen Kamerun gezeigt. Erst bekam der falsche Spieler Gelb. Nach Kommunikation mit dem Video-Assistenten und dem Blick auf den Monitor änderte der Schiedsrichter die Farbe der Personalstrafe – allerdings immer noch für den falschen Spieler. Erst nach erneuter Invention des Video-Assisteten wurde der korrekte Spieler mit Rot für ein grobes Foulspiel des Feldes verwiesen.

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