Gedanken zum IFAB-Strategiepapier „Play Fair!“ (3/4): Steigerung von Fairness & Attraktivität

Im Juni 2017 hat das International Football Association Board (IFAB) das Stratgiepapier „Play Fair!“ veröffentlicht. neben Vorschlägen zur Verbesserung des Verhaltens & Erhöhen des Respekts sowie zur Erhöhung der effektiven Spielzeit hat sich das IFAB im 3. und letzten Bereich auch Gedanken dazu gemacht wie sich Fairness und Attraktivität steigern ließen.

Auch eine kurze Bewertung der Idee aus dem IFAB-Stratgiepapier „Play Fair“ im Bereich Steigerung von Fairness & Attraktivität.

Andere Reihenfolge der Schützen beim Elfmeterschießen

Den Vorschlag nach einer anderen Reihenfolge beim Elfmeterschießen ist mir vor Kurzem schon einmal irgendwo über den Weg gelaufen. Hintergrund des Vorschlags ist, dass das Team, das den 1. Elfmeter schießt wohl statistisch gesehen einen leichten Vorteil hat (d.h. öfter als Sieger aus dem Elfmeterschießen hervorgeht) gegenüber dem generischen Team, das immer nachziehen muss. Ob die Menge der in Elfmeterschießen gesammelten Daten ausreichend groß ist, dass dieser Effekt nichts mit dem Können oder Unvermögen der Schützen zusammenhängt, kann ich jetzt nicht beurteilen – dazu steckt wohl zu wenig Mathematiker in mir. Aber auf eine Reihenfolge A – B – B – A – A – B – B – A – A – B anstatt A – B – A – B – A – B – A – B – A – B bin ich gespannt falls es so kommen sollte.

Abstöße und Freistösse der verteidigenden Mannschaftt im eigenen Strafraum: Verteidiger können den Ball spielen

Die Überlegung, zuzulassen, dass ein Spieler einen Abstoß oder Freistoß bereits im eigenen Strafraum annehmen darf, hat tatsächlich einen gewissen Charme und könnte zukünftig auch einige Irritationen vermeiden. Denn während mittlerweile größtenteils bekannt ist, dass der Ball bei einem Abstoß den Strafraum verlassen muss, ist dies beim Freistoß nicht immer der Fall und die nötige Wiederholung sorgt für Fragezeichen auf dem Sportplatz. Tatsächlich ist aber auch bei einem direkten oder indirekten Freistoß der verteidigenden Mannschaft der Ball erst dann im Spiel wenn er den Strafraum verlassen hat.

Mit Anpassung der Regel würde auch das taktische Mittel wegfallen, dass ein Spieler der verteidigenden Mannschaft ein kurzes Zuspiel seines Torwarts im Strafraum annimmt bevor er sich knapp außerhalb des Strafraums direkt in einem Zweikampft mit einem generischen Spieler befindet. Stattdessen gibt es in einem solchen Fall Wiederholung und etwas Spielzeit ist verstrichen – weswegen die oben beschriebene Situation je nach Spielstand auch an der Grenze zum Zeitspiel ist.

Die Regelanpassung impliziert aber auch, dass noch viel mehr darauf geachtet werden muss, dass alle Spieler der angreifenden Mannschaft den gegnenerischen Strafraum vor dem Abstoß verlassen haben müssen. Das ist auch jetzt schon so in den Regeln festgelegt, bei einem weiten Abstoß des Torwarts kann man aber im Sinne des Vorteils darüber hinwegsehen falls sich doch mal ein Stürmer – egal ob absichtlich oder nicht – nicht schnell genug aus dem Strafraum entfernt hatte.

Handspiel

Das Thema „Handspiel“ ist sicherlich eines der meistdiskutierten und strittigsten Themen. Das IFAB schlägt generell vor mit „einer deutlicheren und einheitlicheren Definitiion des Handspiela“ für etwas mehr Sicherheit zu sorgen ohne dabei aber konkret zu werden. Erst einmal bleibt es hier also bei der Beurteilung einer unnatürlichen Handhaltung/-bewegung, der Vergrößerung der Körperfläche sowie der Entfernung, aus der der Ball gespielt oder geköpft wurde, um als Schiedsrichter auf direkten Freistoß wegen Handspiels zu entscheiden oder eben nicht.

Allerdings geht das Strategiepapier auf 3 spezielle Situationen im Zusammenhang mit einem Handspiel ein. Der erste Vorschlag zur Diskussion zielt darauf ab, eine absichtliche Torerzielung mit der Hand analog zu einer Torverhinderung mit der Hand mit einem Platzverweis zu ahnden. Ui, damit tue ich mich schwer denn ist das wirklich „grob unsportlich“?! Und vor allem: ist das unsportlicher als so manche Ellbogenschlag/-einsatz (wie z.B. jener von Java im Confed-Cup-Finale Chile – Deutschland), die nur mir der Gelben Karte geahndet wird/wurde? Ich finde ineiner solchen Situation die Gelbe Karte ausreichend.

Der Vorschlag, ein per Handspiel auf der Linie verhindertes Tor, geben zu können macht für mich im Sinne des Vorteils allerdings Sinn. Mir ist noch gut das Handspiel von Luis Suarez im WM-Viertelfinale 2010 zwischen Uruguay – Ghana vor Augen. Mit dem Handspiel in der letzten Minute der Verlängerung beim Spielstand von 1:1 verhinderte er auf Kosten der Roten Karte den sicheren Führungs-/Siegtreffer für Ghana und damit das Ausscheiden der eigenen Mannschaft. Regelkonform entschied der damalige Schiedsrichter Olegário Benquerença (Portugal) auf Rote Karte und Strafstoß. Ghana vergab den Strafstoß allerdings und schied dann im darauffolgenden Elfmeterschießen aus. Sicherlich stand diese Szene Pate, denn Ghana hätte das Weiterkommen damals im Sinne des Spiels verdient gehabt.

Die Idee, dass das Berühren des Balls durch den Torwart nach einem Einwurf oder Rückpass eines Mitspielers mit Strafstoß anstatt indirektem Freistoß zu bestrafen, schießt für mich allerdings wieder übers Ziel hinaus. So würde z.B. ein Platzfehler, durch den der Torwart den Ball unglücklich mit der Hand spielt, unmittelbar zu einem Strafstoß und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Gegentor führen während es „nur“ einen Eckball zur Folge gehabt hätte wenn der Ball z.B bei einem eigenen Einwurf unberührt ins Tor gegangen wäre. Schwierig, aber aber hier meine Tendenz und Hoffnung, dass es regeltechnisch so bleibt wie es ist.

Abpfiff der ersten und der zweiten Halbzeit

Auch der Vorschlag zur Diskussion, dass eine Halbzeit bzw. das Spiel nur dann abgepfiffen werden darf wenn der Ball nicht im Spiel ist, sehe ich unter 2 Gesichtspunkten kritisch. Zum Einen würde die verteidigende Mannschaft in den letzten Minuten nur darauf bedacht sein den Ball möglich weit aus dem Spiel zu schlagen und bei jeder Unterbrechung den Abpfiff fordern. Zum Anderen birgt die dann theoretisch unendlich lange Zeit zwischen dem eigentlichen Ende des Spiels (wegen Ablauf der regulären Spielzeit inkl. Nachspielzeit) auch nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Ein hitziges Spiel könnte wegen einer (der letzten Situation) eskalieren weil der Schiedsrichter nicht mehr anpfeifen dürfte/würde und den Ball im Sinne des Fair Plays ins Aus spielen weil sich evtl. jemand verletzt hat würde dann vermutlich auch niemand weil das ja dann zeitgleich den Schlusspfiff bedeuten könnte.

Natürlich ist es nicht besonders schön wenn der Schiedsrichter mitten in einem Konter das Spiel wegen Ablauf der Zeit beendet. Aber das liegt ebenso in der Verantwortung und Beurteilung des Schiedsrichters wie die Entscheidung auf Foul oder Nicht-Foul. Die Diskussionen wären wohl vergleichbar oder tendentiell sogar größer wenn das Spiel nach einem umstrittenen Foulspiel in der Nachspielzeit das Spiel abgepfiffen würde. Lasst es doch einfach wie es ist.

Strafstoss – gleiche Einschränkungen wie beim Elfmeterschiessen, wodurch der einzige Ausgang nur Tor oder kein Tor lautet

Die Thematik/Problematik mit dem zu frühen Reinlaufen in den Strafraum ist unumstritten. Aber bei einem Strafstoß geht es ja oftmals um die Wiederherstellung einer Torchance. Und bei jeder Torchance besteht ja immer auch die Möglichkeit, dass diese erst im Nachschuss zum Tor führt. Deshalb ist es aus meiner Sicht ja nur folgerichtig wenn es auch bei einem Strafstoß die Möglichkeit des Nachschusses gibt.

Ein anderer Ansatz dem Problem Herr zu werden wäre eine strengere Sanktionierung. Vielleicht macht man sich im Zuge der offenen Diskussion ja darüber mal Gedanken.

 

Nach diesem 3 und letzten Bereich – lest auch die Gedanken zu den Themen Verbesserung des Verhaltesn & Erhöhen des Respekts sowie Erhöhung des effektiven Spielzeit – ist es nun Zeit für das Fazit.

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