Gelb oder Rot für Notbremse im Spiel Augsburg – Freiburg (25. Spieltag 2016/17)

Eine der strittigsten Szenen des vergangenen 25. Bundesliga-Spieltags war sicherlich in der Partie FC Augsburg – SC Freiburg das Foul des Augsburger Torwarts Marvin Hitz am Freiburger Stürmer Mike Frantz, das folgerichtig und unstrittig zu einem Strafstoß führte. Nur bei der Personalstrafe – gelb oder rot – gehen die Meinungen auseinander. Hier eine kurze Rekapitulation der Regeländerung vor Saisonbeginn und der Versuch die Entscheidung von Schiedsrichter Stegemann zu bewerten.
Früher war die Welt ganz einfach: Ein Foul, das zur Verhinderung einer klaren Torchance führte war immer und unabhängig vom Ort des Foulspiels eine Rote Karte. Je nach besagtem Ort ging es danach mit direktem Freistoß oder mit Strafstoß weiter. Insbesondere letztere Spielfortsetzung führet dann aber zur oft zitierten „Dreifachbestrafung“: 1 Spieler weniger für den Rest des Spiel, die bestmögliche Torchance für den Gegner und darüber hinaus noch mindestens 1 Spiel Sperre. Gefühlt heerschte schon lange Einverständnis darüber, dass das nicht wirklich „fair“ ist und mündete letzten Endes in einer Regeländerung zu Beginn der Saison 2016/17.

Bei einem Foulspiel zur Torverhinderug außerhalb des Strafraums bleibt unabhängig von der Art des Foulspiels alles beim Alten: Rote Karte, direkter Freistoß und im Nachgang dann auch die Sperre für den des Feldes verwiesenen Spieler durch die Sportgerichtsbarkeit.

Bei einem Foulspiel zur Torverhinderung innerhalb des Strafraums kommt es nun auf die Art des Foulspiels an. Ein „ballorientiertes Vergehen“ zieht nun nur noch die Gelbe Karte nach sich während alle anderen Foulspiele – z.B. Trikotziehen, Beinstellen ohne Chance auf den Ball, überhartes Einsteigen z.B. von hinten – weiterhin den roten Karton zur Folge haben. Diese kleine aber feine Anpassung gehört zu den Änderungen, die „im Sinne des Spiels“ vorgenommen wurden und man will damit verhindern, dass ein Verteidiger, der beim Versuch den Ball zu spielen nur minimal zu spät kommt direkt des Feldes verwiesen werden muss. Der Schiedsrichter hatte hier bisher keinen Entscheidungsspielraum wenn eine klare Torchance genommen wurde (lediglich die Einschätzung „klare Torchance – ja oder nein“ lag und liegt auch weiterhin im Ermessen des Schiedsrichters).

Damit hat der Schiedsrichter nun insbesondere bei Vergehen an der Strafraumgrenze einen ganzen Entscheidungsbaum vor sich:

  • Foulspiel: ja oder nein
  • innerhalb oder außerhalb
  • Verhinderung einer klaren Torchance
  • Ballorientiertes Vorgehen: ja oder nein

Schauen wir uns die Szene doch einmal ab ca. 00:34 Minuten an: Spielzusammenfassung Augsburg – Freiburg. Der Freiburger Spieler Frantz läuft zentral auf den Augsburger Torwart zu, dreht nach links ab und wird dann von Marvin Hitz am Fuß getroffen. Je nachdem wann man das Bild anhält ist der Ball schon sehr weit von Marvin Hitz entfernt (aber auch von Mike Frantz, der sich den Ball sicherlich auch nicht optimal vorgelegt hat) was eigentlich eher bedeuten würde, dass keine Chance mehr bestand, den Ball zu spielen und damit hätte die Rote Karte nach sich ziehen müssen. Das war auch die Einschätzung von Markus Merk als Schiedsrichter-Experte in der Sky-Konferenz. Betrachtet man aber den gesamten Bewegungsablauf und berücksichtigt man auch das Spieltempo in dieser Situation so denke ich schon, dass es vertretbar ist Marvin Hitz zu Gute zu halten, dass er mit den Intension herausgestürmt ist den Ball zu spielen, dabei aber zu spät kam. In dieser Situation ein „gegenerorientiertes Foul“ zu sehen halte ich für gewagt.

Und was bedeutet das nun? Ich bin in dieser konkreten Situation bei Schiedsrichter Sascha Stegemann. Der Einsatz von Marvin Hitz war ballorientiert auch wenn er dabei (zeitlich minimal) zu spät kommt und von dem her reicht die Gelbe Karte im Sinne des Spiels hier aus.

Allerdings zeigt sich hier einmal mehr die gewisse Grauzone dieser Regel bzw. der seit dieser Spielzeit neuen Regelauslegung. Andere Auslegungen und Meinungen kann und und möchte ich nicht als völlig abwegig abtun.

Nachtrag: Und damit liege ich auf einer Wellenlänge mit der Einschätzung der Situation durch Collinas Erben – den Beitrag habe ich erst gefunden, als mein Post schon so gut wie fertig war.