Die Spielabsage von Lotte

Gestern wollte ich mir wie wahrscheinlich viele Andere auch das DFB-Pokal-Viertelfinale SF Lotte – Borussia Dortmund anschauen bis dann kurz nach 20 Uhr die Info von der Spielabsage die Runde machte. Auf der ersten Blick dachte ich mir erst: Nanu?! Denn auf den Bilder aus dem Stadion schneite es zwar, der Platz wirkte wie mit Puderzucker bestreut aber nicht unbespielbar. Als man aber isah wie der Untergrund bei jedem Schritt nachgab und sich nach links und rechts drückte, wie eine zuvor noch einigermaßen grüne Stelle nach ein paar Schritten zum Matschloch wurde und wie ein Schiedrichter-Assistent in kurzer Hose und mit Badeschlappen über den Platz rutschte war dann doch schnell klar, dass hier kein reguläres Fußballspiel möglich gewesen wäre.

Natürlich ist die Enttäuschung bei den Fans ob der kurzfristigen Spielabsage nach teilweise sehr weiter Anreise verständlich – für diverse Unmutsäusserungen gilt dieses Verständnis meinerseits aber nicht. Wer ehrlich mit sich selbst ist muss über kurz oder lang zu dem Entschluss kommen, dass hier keine ordentliches Fußballspiel hätte stattfinden können. Unabhängig vom „tiefen Platz“, mit dem Fußballer (und Schiedsrichter) klarkommen müssen, wäre der Ball wahrscheinlich bei jedem Bodenkontakt liegengeblieben anstatt aufzuspringen bzw. zu rollen und die Spieler hätten darüber keinen richtigen Stand gehabt mit einer damit verbundenen Verletzungsgefahr.

Die Verantwortung für eine Spielabsage liegt in einem solchen Fall beim Schiedsrichter, gestern Abend also Dr. Felix Brych. Die „Zusätzliche[n] Erläuterungen des DFB“ in den Fußballregeln 2016/17 geben dem Schiedsrichter für diese Entscheidung folgende Anweisung:

Der Schiedsrichter prüft einige Zeit vor Spielbeginn das Spielfeld und den Platzaufbau, um sich davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Sollte die Beschaffenheit des Platzes infolge schlechten Wetters oder Nachlässigkeit so sein, dass den Spielern Gefahr droht oder eine ordnungsgemäße Durchführung des Spieles nicht gewährleistet ist, so hat der Schiedsrichter den Platzverein aufzufordern, die Mängel zu beseitigen. Ist dies innerhalb einer angemessenen Frist nicht möglich, so fällt das Spiel aus.

Viel mehr als diese paar Sätze gibt es nicht. Bemerkenswert ist aber, dass sich der in den Medien oftmals verwendete Begriff von der „Unbespielbarkeit des Platzes“ dort nicht wiederfindet. Die in Lotte vorheerschende schlechte Platzbeschaffenheit sorgte aber dafür, „dass den Spielern Gefahr droht“. Und genau darum ging es dem Schiedsrichter bei der Spielabsage in Lotte.

Mehr zum Thema Spielabbruch liefert uns der 60. DFB-Lehrbrief zum Thema Spielabbruch. Daraus geht zunächts einmal nur deutlicher hervor wann ein Spiel abgebrochen werden muss, die darin genannten Punkte lassen sich natürlich 1:1 auch auf eine Spielabsage bzw. das Nicht-Anpfeifen einer Partie übertragen:

Ein Spielabbruch ist dann notwendig, wenn das Spiel unter regulären Bedingungen im Sinne des Sports nicht mehr durchgeführt werden kann und natürlich auch, wenn die Gesundheit der Spieler durch die äußeren Einflüsse gefährdet ist.

Dieser Satz veranschaulicht ganz gut einen wesentlichen Punkt der Pflichten eines Schiedsrichters: er ist für die Gesundheit der Spieler verantwortlich. Seit dem sehr interessanten Vortrag „Der Schiedsrichter im Sportrecht“ (hier geht’s zum Blog-Beitrag zu diesem Thema) von Dr. Jan F. Orth. In dem Vortrag ging es u.a. um die Rechte eines Schiedsrichtern und um die wenige Szenarien, in denen der Schiedsrichter auch (privat)rechtlich für seine Entscheidungen belangt werden könnte. Dies ist nämlich nur bei grob fahrlässigem Verhalten möglich, z.B. wenn das Spiel bei einem Gewitter nicht unterbrochen und anschließend ein Spieler vom Blitz getroffen wird. Ein Spiel bei solchen Bedingungen und der bereits oben erwähnten damit verbundenen erhöhten Verletzungsgefahr könnte in eine ähnliche Richtung gehen. Das aber nur noch ein Gedanke zum Abschluss – ich bin ja kein Jurist oder Richter.

Aber Kurzum: Die Spielabsage war richtig weil auf diesem Platz keine regulären Spielbedingungen geheerscht haben, der Heimverein auch keine Möglichkeit hatte diese herzustellen und dadurch die Gesundheit der Spieler gefährdet gewesen wäre. Damit hat für meine Begriffe Schiedsrichter Dr. Felix Brych absolut korrekt und gemäß den oben zitierten Anweisungen gehandelt – auch wenn diese Entscheidung nich ganz einfach war weil auf dieser Ebene natürlich auch noch viele andere (finanzielle) Interessen bestehen.

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