Zeitstrafen als sinnvolle Ergänzung der Personalstrafen?

Heute stand in der Welt kompakt der Artikel „Schiedsrichter-Chef forder Zeistrafen in der Bundesliga“. Im Artikel wird erwähnt, dass sich der frühere Bundesliga-Schiedsrichter und jetzige Chef der Schiedsrichter des DFB Lutz Michael Fröhlich dafür ausspricht. Außerdem wird der derzeitige Trainer des TSG Hoffenheim Julian Nagelsmann erwähnt, der ebenfalls „für die Einführung von Zeitstrafen plädiert“.

Die Ansätze und Argumentationen unterscheiden sich aber zumindest im Bericht. Lutz Michael Fröhlich sieht in den Zeitstrafen eine Möglichkeit, dass sich „die Emotionen der Profis […] nach groben Vergehen beruhigen“ würden wenn der Spieler eine zeitlang aussetzen muss. Außerdem könnte „der Schiedsrichter die Partie noch selbstbewusster angehen“. Hier bin ich ehrlich gesagt skeptisch. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass ein des Feldes verwiesener Spieler den Innenraum verlassen muss. Insbesonder wenn der Feldverweis für eine Tätlichkeit oder ein grobes Foulspiel erfolgte, schützt man mit dieser Maßnahme zum einen den Täter und verhindert zum Anderen auch etwaige nachfolgende Eskalationen weil der Spieler immer noch nahe am Spiel und teilweise auch nahe an der gegnerischen Bank ist. Genau dieses Risiko würde man sich aber wieder hereinholen falls eine Zeitstrafe für ein hartes aber noch nicht Rot-würdiges Einsteigen erfolgen würde. Der Spieler müsste dann zwar temporär das Spielfeld verlassen, wartet dann aber immer noch in unmittelbarer Spielfeldnähe und der damit verbundenen Nähe zu der gegnerischen Bank auf den Ablauf der Zeitstrafe. Hier sehe ich doch ein gewisses Risiko…

Viel mehr gefällt mir da schon der Denkansatz von Julian Nagelsmann, der die Zeitstrafe als Mittel gegen offensichtlich taktische Fouls sieht. Die Gelbe Karte nach einem taktischen Foul bringt der benachteiligten Mannschaft in diesem Moment herzlich wenig, nur der kommende Gegner kann davon evtl. profitieren. Kurz vor Schluss sehen wir oftmals das taktische Foul, um einen aussichtreichen Angriff/Konter zu unterbinden. Der foulende Spieler hat ja wenn er nicht schon verwarnt ist, nicht viel zu befürchten – und darf sich für sein taktisches Foul evtl. noch den Lob von Mitspielern und Trainer abholen. Wäre ein solches taktisches Foul aber zugleich mit einer Zeitstrafe verbunden und der Spieler der Mannschaft dann in den letzten Minuten eines Spiels fehlen, dann hätte die gegnerische Mannschaft zumindest noch einen kleinen Vorteil, der sich gut mit dem Powerplay im Eishockey vergleichen lässt.

Bleiben wir als gespannt ob nach dem Videobeweis – ist ja momentan in der Bundesliga im „passiven“ Probebetrieb – irgendwann auch die Zeitstrafe kommt. Und sollte dem so sein gilt es ja noch noch die praktischen Probleme bei der Anwendung zu lösen. Wann beginnt die Zeitstrafe (z.B. mit der Spielfortsetzung)? Verlängern längere Spielunterbrechungen wie eine Verletzungsunterbrechung die Zeitstrafe? Wer gibt das Zeichen, dass die Zeitstrafe vorrüber ist? Da im Fußball die Zeit nicht in Spielunterbrechungen gestoppt wird sind das kleine aber wichtige und nicht ganz einfache Fragestellungen…

Was meint ihr zur Zeitstrafe? Oder sollte die Zeitstrafe im Aktivenbereich einfach wie in der Jugend eingeführt werden, also Gelb, Zeitstrafe, Rot?

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