Schiedsrichter Clattenburg tritt in der Premier League zurück und wechselt nach Saudi-Arabien

Da musste ich mir auch erst einmal die Augen reiben: Clattenburg wechselt nach Saudi-Arabien. Gerüchte um den englischen Top-Schiedsrichter gab es ja schon öfter Mal, so soll u.a. auch der chinesische Fußball-Verband um ihn gebuhlt haben. Jetzt ist es aber amtlich: Clattenburg hat mit dem Partie FC Arsenal – Hull City am 11. Februar sein letztes Spiel als Schiedsrichter der English Football Association (EFA) gepfiffen. In Saudi Arabien soll er dem ehemaligen englischen Schiedsrichter Howard Webb als Vorsitzender der dortigen Schiedsrichterkommission nachfolgen.

Die Gründe einer solchen Entscheidung müssen sehr schwerwiegend und tiefgreifende gewesen sein aber ich glaube, dass Mark Clattenburg so professionell genug ist, hier keine öffentliche Schlammschlacht mit der EFA und/oder der englischen Schiedsrichtervereinigung vom Zaun zu brechen. Was man aber von seinem Verhältnis zum Verband bzw. zur Schiedsrichtervereinigung weiß:

  • die Offiziellen hatten Probleme mit seinen Tattoos hatte (deshalb pfiff er auch bei sengender Hitze immer in Langarm-Trikots)
  • er wurde einmal von einem bereits angesetzten Premier-League-Spiel zurückgezogen wurde weil es im Anschluss an eine Spielleitung nicht den Heimweg angetreten, sondern zu einem Konzert von Ed Sheeran gefahren ist
  • der eigene Verband wollte ihn nicht für die EM 2016 nominieren und so konnte er erst durch den massiven Einsatz von Pierluigi Collina bei der EM und dann sogar das Finale pfeifen

Wahrscheinlich ist das nur die Spitze des Eisbergs der fehlenden Unterstützung und (aus seiner Sicht) Unfairbehandlungs Clattenburgs innerhalb des eigenen Verbands. Das erinnert ein wenig an der Streit zwischen Pierluigi Collina und dem italiensichen Fußballverband um den Werbevertrag von Pierluigi Collina mit Opel – seinerzeit Trikotssponsor des AC Mailand. Nach der Anzweiflung seiner Unparteilichkeit und die Verbannung in die 2. Liga trat Collina zurück – ein unrühmliches Ende eine beeindruckenden Schiedsrichter-Karriere.

Beide Vorfälle – und sicher gibt es da auch noch viele weitere weniger öffentliche Vorfälle – sind natürlich schade. Auf den einen Seite verstehe ich die Fußballverbände, die großen Wert auf ein gutes Image ihrer Schiedsrichter legen. Aber auch Schiedsrichter sind nur Menschen: Menschen mit Hobbys, Menschen mit eigenen Wertvorstellungen, Menschen mit Fehlern und Macken. Und damit sind sie eigentlich nicht anders als Spieler und Trainer. Große Eskapaden sollte man sich als Schiedsrichter zwar nicht erlauben, aber am Ende zählt doch die Leistung auf dem Platz. Und solange diese stimmt sind der Besuch eines Ed-Sheeran-Konzerts und eine Werbevertrag mit Opel genauso wie sicherlich noch ganz viele andere Dinge eine Mücke, aus der man keinen Elefanten machen sollte.

Im Falle Clattenburg ist aber genau das passiert und jetzt sehen wir die Konsequenzen. Die Premier League aber auch die UEFA verliert einen der aktuell besten Schiedsrichter und sogar der Telegraph in England spricht von einem „massive loss to the English game“ (siehe hier). Wünschen wir ihm das Beste denn ich denke Clattenburg hat sich wie zuletzt auch Philipp Lahm nach langer und eingehender Diskussion mit sich selbst zu diesem endgültigen Schritt entschieden und wird diese Entscheidung nicht revidieren. Vielleicht sehen wir ihn aber irgendwann mal wieder bei einer Weltmeisterschaft.