Warum eigentlich Schiedsrichter werden?! Vielleicht wegen dem Miteinander…

Dieser Beitrag ist Teil der kleinen Serie Warum eigentlich Schiedsrichter werden?!, in der ich im Hinblick auf die vielerorts bald beginnenden Schiedsrichter-Neulingslehrgänge mal aus ganz perönlicher Sicht meine TOP-3 der Gründe aufzähle, warum es sich lohnt Schiedsrichter zu werden und warum ich es bis heute auch selber nicht bereut habe.

Weitere Teil der Serie sind:

 

Miteinander

Der Eine oder Andere wird sich jetzt sicherlich die Augen reiben: der Schiedsrichter ist doch immer nur die ärmste Sau auf dem Fußballplatz und ich rede hier was von „Miteinander“. Es ist schon richtig, dass man vor allem in der Jugende und in den unteren Klassen jeden Spieltag alleine seinen Mann oder seine Frau stehen und eben auch durch die ein oder andere unschöne Situation durch muss. Aber Schiedsrichterei ist mehr und findet vor allem auch abseits des Platzes statt.

Die Schiedsrichter sind innerhalb eines Landesverbands in Bezirken, Gruppen und/oder Kreisen organisiert. Jede Gruppe ist wie ein kleiner Verein mit Kameradinnen und Kameradinnen vom 14-jährigen Neulig über den gerade volljährig gewordenen Senkrechtstarter, der schon in der Verbandsliga pfeift sowie in der Oberliga an der Linie assistiert und den gestanden Liga-Schiedsrichter (so nennen wir im SBFV die Schiedsrichter als Landesliga aufwärts), der trotz Frau und 2 Kindern immer noch seine Sonntage opfert, bis hin zum alten Passiv-Schiedsrichter, der zwar nicht mehr aktiv pfeifen aber trotzdem noch Anekdoten aus der Vergangenheit und seine Erfahrungen weitergeben kann. Diese Vielfalt und der (überwiegend) vorhandene Zusammenhalt untereinander ist einfach auch ein großer Mehrwert. Auf dem Platz sind wir Einzelkämpfer, neben dem Platz sind wir mindestens Kameraden – trotz aller Konkurrenzsituationen – wenn nicht gar mehr oder weniger gute Freunde.

Das „Alleine auf dem Platz“ relativiert sich im SBFV ab der Landesliga (in anderen Landesverbänden ist das eventuell anders), denn ab dann sich wir im Gespann unterwegs, d.h. Schiedsrichter und 2 Schiedsrichter-Assistenten. Zu dritt gestaltet sich natürlich nicht nur die Spielleitung einfacher – 6 Augen sehen mehr als nur 2 – sondern macht auch die Fahrt zum Spiel etwas weniger langweilig.

Ab der Ladeslige kommt es innerhalb einer Saison einige Male vor, dass mal vom oberen Zipfel bis an den Bodensee fahren muss oder umgekehrt. Das sind dann schon mal Strecken von etwas über 200 km und Fahrtzeiten von bis zu 2,5 Stunden. Bei solchen Fahrten tut es dann gut wenn man sich mit den anderen Kameraden, die ja manchmal auch schon zu guten Freunden geworden sind, unterhalten kann. Wichtig aus meiner Sicht: es sollte gerade auf langen Fahrten nicht nur um Fußball gehen, denn sonst hat jeder davon schon die Nase voll bevor man am Spielort eintrifft und das fördert nicht gerade Konzentration und Leistung im Spiel.

Die bereits angesprochene Freundschaft, die sich über die Zeit zwischen Schiedsrichter-Kameraden allgemein sowie ganz besonders zwischen Schiedsrichter und seinen Assistenten aufbaut, kommt nicht automatisch. Fördernd ist es allemal auch abseits der Schiedsrichterei etwas gemeinsam zu unternehmen. Warum nicht mal nach dem Spiel am Bodensee bei strahlendem Sonnenschein die Füße in eben diesem baumeln lassen, sich nach einem Spiel gemeinsam in der Sauna oder eine anderen Wellness-Oase entspannen oder sich mit anderen Kollegen/Gespannen am Sonntag-Abend nach den erfolgten Spielleitungen auf ein Feierabendbier (oder eine Cola für die jüngeren Kameraden) treffen? Haben wir alles schon gemacht und in guter Erinnerung behalten. Solche Aktivitäten sind es auch, die dazu beitragen, dass man auch noch mit Ex-Schiedsrichtern gute Kontakte pflegt, die ihre Pfeife schon an den berühmten Nagel gehängt haben.

Und deshalb gehören „Miteinander und Kameradschaft“ zu meinen TOP-3 warum es sich lohnt Schiedsrichter zu werden.

Und vielleicht ist auch deshalb des Motto des diesjährigen Schiedsrichter-Neulingslehrgangs im Bezirk Baden-Baden das Motto „Miteinander statt gegeneinander“. Aber da hatte ich meine Finger nicht im Spiel 😉